akzidentelle Schritte

Achtung - es besteht Rutschgefahr!

 

Das Leben schreibt manchmal merkwürdige Zufälle. Wenn man sich zB in einer eher schwierigen emoionalen Phase befindet, hin und her gerissen ist, selber nicht weiß was man eigentlich will und sich eigentlich viel zu sicher ist, doch den Tatsachen lieber entfliehen würde. Dann passieren solche Dinge. Dann begegnet man Menschen wieder, die einmal eine bedeutende Rolle in dem Prolog des Lebens gespielt haben. Die ersten Gefühle, die man gibt und zulässt, sind wohl die prägendsten, die unvergessensten, denn es sind bei Gott die Reinsten, die wir je imstande waren zu geben. Und wohl genau darum erschlug es mich heute beinahe regelrecht. Und es bewies mir, Zeit, zwischen dem letzten Blick und dem heutigen wissendem Lächeln, Zeit, gefüllt mit Erfahrungen beiderseits und doch unbeteiligt voneinander, ist leblos. Und deshalb unsterblich.

Heute habe ich gelernt, dass es keine zufälligen Begegnungen gibt. Sie kommen entweder zum richtigen oder zum falschen Zeitpunkt, doch immer, wirklich immer, geschieht ein unweigerlicherliches Erwachen. Ich bin die letzten Wochen wie reglos durch mein eigenes Leben gelaufen, ohne vom Fleck zu kommen, ohne auch nur irgendeine Bewegung verspüren zu können, je schneller ich zu laufen versuchte, um endlich irgendetwas, doch nur irgendetwas wahrzunehmen, desto fester wurde meine Verankerung mit dem harten Grund, auf dem ich noch nicht einmal mehr stand. Es gibt keinen Zufall. Ich bin heute einen Schritt gegangen. Es war Zeit, denn ich - ich bin nicht ein bisschen ewiglich.

18.10.08 22:24, kommentieren

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Mitternacht

 

Entschuldigung - es steht schlecht um Sie!

 

Gestern Nacht - genau genommen um 1.47h mitteleuropäischer Zeit, trat ich auf die Straße. Und dafür, dass hier 157 Einwohner auf dem Quadratkilometer leben sollen, war es erschreckend still. Und unerwartet lau. Mal ganz nebenbei, ich bin vor so etwas nicht gefeit. Was immer es war, mögen es nun die Geister der Nacht, der Trieb nach dem Morgen oder die Unruhe des Jetzts gewesen sein, unter dem dunklem, undurchsichtigem Himmel zu spazieren, ließ mich in diesem Moment zum ersten Mal seit langer langer Zeit wieder das Richtige fühlen. Wärmende, erwachende Vorfreude. Ein bisschen Glück. Nicht zu viel, grade so, dass die Sehnsucht nach mehr fasst.

Der Herbst ist etwas ganz individuelles. Für die einen bedeutet es Einzug von Kälte, Kapitulation und Schwermut. Und der Schritt Richtung Rückzug, abgeschlossen und heizungsbeüftet. Das künstliche Licht brennt. Planar.

In Wahrheit ist es nicht dunkler als zuvor. Das Licht scheint umso heller, wenn es sich in den farbigen Schattierungen der Bäume findet, klarer, wenn es die weichen Linien der Blätter nachfährt, zarter, wenn es die aufgerauten Böen und tanzenden Bewegungen wahrnimmt, wärmend, wenn es sich in der Farbenpracht des Moments widerspiegelt. Der Herbst ist lieblich-grün, wie die ersten Knospen im Frühling, golden wie das Korn im Sommer, pfirsichfarbend und doch karmesinrot, wie das Kerzenlicht im Winter.

Es geht darum, zu sehen. Aufzunehmen. Der Dynamik des Fortgangs zu folgen. Manchmal heißt es sogar, es dem Fallen der Blätter gleichzutun und sich darauf einzulassen. Mehr als irgendeine andere Zeit des Jahres symbolisiert der Herbst für mich Beginn. Etwas Neues.

 

Übrigens ging die Nacht - auch wenn sie mir die farbliche Pracht verwehrte dafür vielmehr durch ihr Ruhe und ihren begleitenden Aufstand (!) - mit der Erkenntnis zu Ende, dass ich mir dringendst Mann oder Haustier zulegen sollte, um besser beschäftigt zu sein, als zu Tagesende durch die Weltgeschichte zu spazieren

15.10.08 19:27, kommentieren

serious playground

Guten Tag - wie steht es um Ihr Sexualleben?

 

Ich bin der festen Überzeugung, dass leidglich die Menschen, denen es vergönnt ist, ihre weiße Weste ohne Einschußlöcher sorgenfrei zur Schau stellen zu können, vom Drama des Leidens ausgeschlossen werden. Alle anderen armen Spinner dieser Welt müssen sich ab und an mit den scheinbar unerträglichen Symptomen dieser alles auszehrenden Diagnose auseinandersetzen. Dabei spielen die realen fühlbaren Qualen die allerletzte Nebenrolle, Fakt ist, was wirklich reinhaut ist die Tatsache, sich selbst ins Aus gespielt zu haben.

 So weit so nice, denn zeitweise kann das Verharren am Spielplatz des Lebens auch eine gewisse Effizenz mit sich bringen, denken wir nur an die Spielerfrau, die sich stets ihren Platz am Rande sucht und doch beharrlich die Protagonistin in jeglichen Dramen zu spielen weiß. Und so geht nach jeder gespielten Partie sein Blick, aufgeregt, nervös, erleichtert, fragend, hoffend über den playground hinaus, ins Aus: Ist sie noch da?

 In diesem Sinne übergebe ich an Eike Immel, der einmal sagte, "Im Großen und Ganzen war es ein Spiel, das wenn es anders läuft, auch anders hätte ausgehen können."

 

3.9.08 10:19, kommentieren

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